Gerade einmal 3 Hektar sind es, die der Nationalpark Tablas de Daimiel in Kastilien-La Mancha umfasst. 3 Hektar sind nicht gerade viel für einen Nationalpark, deshalb gilt er auch als das kleinste Schutzgebiet Spaniens. Doch er schützt einen Ort, der so in Europa einzigartig ist: Die Tablas de Daimiel ist die letzte Flussaue Zentralspaniens.
Die Tablas de Daimiel: ein einzigartiges Feuchtgebiet
Mitten in Kastilien-La Mancha, eine der trockensten Autonomen Gemeinden Spaniens, in der es schon jetzt in vielen Regionen fast wie eine Wüste aussieht, befindet sich das kleine Gebiet der Tablas de Daimiel. Eine geschützte Zone, die man in Spanien generell nicht erwarten würde. Die 3 Hektar Land sind ein Feuchtgebiet, das durch das Grundwasservorkommen unter dem westlichen Teil der Mancha zustande kommt und in der Nähe von Ciudad Real an die Oberfläche tritt. Dieses Vorkommen schuf zusammen mit den Wassermassen des Flusses Guadiana und dem Fluss Cigüela eine Flussaue, die seit 1973 unter besonderem Schutz steht.
In Spanien ist Tablas de Daimiel die letzte existierende Flussaue, also ein Gebiet, in dem ein Fluss an seinem Mittellauf über die Ufer tritt. Außerdem hat der kleine Nationalpark die Besonderheit, dass er sich aus zwei Flüssen, dem Guadiana und dem Cigüela, speist, ersterer führt vor allem Süßwasser, während letzterer salzhaltigeres Wasser zur Flussaue transportiert. Dadurch findet man im Nationalpark Tablas de Daimiel eine einzigartige Flora und Fauna.
Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark Tablas de Daimiel
Die vielfältige Flussaue mitten in der trockenen Weite der Mancha zieht nicht nur uns Menschen, sondern zieht auch zig unterschiedliche Vögel, Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Pflanzenarten an. Beobachten kann man im Nationalpark Tablas de Daimiel beispielsweise diverse Entenarten wie die Krick- oder Löffelente, Reiher und Kraniche, unterschiedliche Frösche und Kröten sowie Wildkaninchen, Fischotter oder Rotfüchse.
Das Ufer wird vor allem von Binsen und Schilfrohr gerahmt, in dem sich die vielen verschiedenen Tierarten verstecken können.
Die ökologische Bedeutung von Feuchtgebieten
Feuchtgebiete, wie das der Tablas de Daimiel, haben eine große ökologische Bedeutung für unseren Planeten. Sie bedecken 6 % unserer Erdoberfläche und sind ein essenzieller Teil im globalen Wasserkreislauf. Sie tragen zur Erhaltung des Grundwassers bei, speichern Niederschläge und bieten sowohl uns Menschen als auch diversen Tierarten Rast- und Erholung. Außerdem speichern sie viel CO2, schützen vor Hochwasser und geben Tieren einen wichtigen Raum zur Fortpflanzung und Überwinterung.
Deshalb sind die Tablas de Daimiel auch bereits seit 1982 Teil der Ramsar-Konvention, die sich für den Schutz von Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung einsetzen. Schließlich werden Feuchtgebiete von uns Menschen dreimal schneller zerstört als Wälder. Das Problem betrifft auch die Tablas de Daimiel.
Geschichte und Schutzmaßnahmen der Tablas de Daimiel
Seit vielen Jahrhunderten spielt der Nationalpark Tablas de Daimiel eine große Rolle für die Menschen. Überreste von Völkern unterschiedlichster Epochen wurden hier gefunden und man weiß, dass sowohl sein Wasser als auch die reichen Tiervorkommen für das Überleben dieser Menschen relevant war. Schon 1325 wurden die Tablas de Daimiel in einem Buch von Don Juan Manuel als idealer Ort für die Beizjagd beschrieben und auch in den folgenden Jahrhunderten kamen Jäger hierher, um auf Entenjagd zu gehen.
1956 trat das fatale Gesetz zur Trockenlegung des Feuchtgebietes in Kraft, um die Hektar der Tablas de Daimiel für wirtschaftliche und soziale Zwecke ausschöpfen zu können. Bis zur Einrichtung des Nationalparks 1973 blieb dieses Gesetz in Kraft. Während dieser Zeit wurden diverse Kanäle gebaut und große Teile des Gebietes trocken gelegt. Zusätzlich kam es in diesem Zeitraum zum unkontrollierten Anzapfen des Grundwassers, um umliegende Felder zu bewässern. Dies hatte zur Folge, dass der Nationalpark Tablas de Daimiel 2005 fast ausgetrocknet war. Zwar hatte die Entstehung des Parks das weitere Anzapfen und die Trockenlegung verhindert, doch das Gebiet hatte bereits so viel Schaden genommen, dass es zu einem unterirdischen Torfbrand kam, der erst fünf Jahre später, 2010, dank langer Regenfälle und zugeführtem Wasser aus zwei nahegelegenen Stauseen gelöscht werden konnte.
Seitdem wurde viel dafür getan, um das Feuchtgebiet Tablas de Daimiel zu erhalten. Wasserentnahmerechte wurden von dem Park aufgelöst und angrenzende Gebiete rund um die Tablas de Daimiel aufgekauft. 2014 wurde der Nationalpark von seinen ursprünglich 1.102 ha auf seine heutigen 3.030 ha erweitert. Doch all das hat nicht ausgereicht, um zu verhindern das der Park 50 Jahre nach seiner Einrichtung noch immer mit der Austrocknung kämpft. Diverse Brunnen mussten rund um das Feuchtgebiet errichtet werden, um ihm im Notfall Wasser zuführen zu können. Im August 2022 wurde zusätzlich ein Rohrsystem fertiggestellt, das Wasser vom Fluss Tajo bis zu den Tablas de Daimiel leitet. Und auch die starken Regenfälle im Dezember 2022, die die Provinz Ciudad Real in Sorge versetzte, das Feuchtgebiet jedoch freute, halfen nicht, um das Wasser im Nationalpark ansteigen zu lassen. Nach Messungen im Januar 2023 befanden sich lediglich 250 Hektar, 14,42 % des gesamten Überschwemmungsgebiets unter Wasser.
Lerne den Nationalpark Tablas de Daimiel kennen
Der Besuch im Nationalpark Tablas de Daimiel ist natürlich kostenlos und jederzeit möglich. Entdecken kann man ihn über insgesamt drei ausgeschilderte Rundwege, die zwischen 1,5 und 4 Kilometer lang sind und größtenteils über Stege und Brücken durch den Park verlaufen. Empfehlenswert sind die meiste Zeit des Jahres allerdings nur die zwei kürzeren Wege, da der längste zwischen Frühling und Winter fast nur durch Teile des Parks führt, die in diesem Zeitfenster ausgetrocknet sind. Es lohnt sich für diese Spaziergänge ein Fernglas und für Naturfotografen ein Teleobjektiv dabei zu haben, denn sicherlich werden dir hier einige Tiere über den Weg laufen. Beobachten kann man sie teils versteckt aus kleinen Hütten heraus, von Bänken oder aber auch von den vielen Stegen im Park.
Eine weitere Möglichkeit den Park zu erkunden, ist sich das Feuchtgebiet bei einer der geführten Touren erklären zu lassen. Der Nationalpark Tablas de Daimiel bietet Wanderrouten, Touren für Familien sowie gemischte Touren (zu Fuß und mit dem Geländewagen) an. Die Preise liegen zwischen 12 und 32 € je nach Art der Tour sowie der Jahreszeit. Allerdings werden die Führungen ausschließlich auf Spanisch angeboten.
Parken kann man das Auto direkt am anliegenden Parkplatz des Nationalparks, an dem es auch ein Besucherzentrum mit interessanten Informationen über das Feuchtgebiet Tablas de Daimiel gibt, sowie Toiletten und den Verkauf von Snacks und Getränken. Geöffnet hat das Zentrum zwischen 9 und 19 Uhr im Winter und 9 und 21 Uhr im Sommer.


